Freitag, Oktober 27, 2006

To Do List

Ich komm einfach nicht dazu, die ganzen Ideen tatsaechlich umzusetzen, also hier erst mal eine To Do Liste, die ich dann abarbeite. Vielleicht wenn ich wieder einen eigenen Rechner habe (was auf einer anderen To Do List steht...).
  • Dinge, die ich in Deutschland nie tun wuerde (hier aber getan habe)
  • wer wird der naechste US Praesident (Obama? nicht Osama)
  • amerikanischer Wahlkampf, schmutziger denn je...(--> going dirty)
  • Amis und Autos, Verkehr, Stassenschilder
  • Paradoxien und Gegensaetze in den USA
  • kleine Dinge, die einen Unterschied machen
  • war da nicht noch ein "Stoeckchen" von Gernot?

Dienstag, Oktober 10, 2006

Angekommen - Alpharetta, GA

Nun bin ich schon seit 2 Wochen in den USA, Zeit fuer einen ersten Lagebericht.

Trotz aller Befuerchtungen, doch irgendein Dokument vergessen, gar nicht oder sogar falch ausgefuellt zu haben, bin ich in die Vereinigten Staaten von Amerika eingereist. Nach einer gefuehlten Reisezeit von ca. 48 Stunden (wenn man davon ausgeht, dass ich um 16Uhr Montag nachmittag in Dresden losgefahren bin und um 6 morgens MET am Mittwoch in Alpharetta war, ist das gar nicht so abwegig). Es war eine Reise fast ohne Pannen: einmal Verfahren in Dortmund, Feuerzeug entsorgt in Duesseldorf (kostet angeblich $250), problemloses Umsteigen in New York, Einschlafen im Stau auf 8/16-spuriger Interstate in Altlanta, angekommen um 23.30 Ortzeit in Alpharetta.
Begruesst wurde ich dann vom Jim, meinem “Landlord”, wie das so schoen auf englisch heisst, “stilvoll” mit Yorkshire-Terrier auf dem Arm.
Das Haus ist einstoeckig, dafuer sehr lang gezogen. Jim hat es bereits mit 20 gekauft, was hier normal zu sein scheint. Das ganze ist auf einem grossen Grundstueck an einer Hauptstrasse gelegen. In ernsthafter Sichtweite ist nur ein Nachbar, der uebrigens Ziegen (jaha Ziegen!) haelt und eine gewisse Affinitaet zu seinem riesen Rasenmaeher-Truck-Ding hat.
Inzwischen habe ich mein Zimmer gewechselt (rechts: Blick aus meinem Fenster...) , da der zweite Praktikant nun abgereist ist und erst am Donnerstag der naechste kommt, der mein altes (kleines, gruenes) Zimmer bekommt. Ich geniesse nun also wieder die Vorteile eines eigenen Badezimmers und eines riesigen Wandschrankes (uebrigens eine sehr praktische Einrichtung, die man erst bei einer jaehrlichen Umzugsfrequenz wirklich zu schaetzen weiss).

Im Buero habe ich eine Ecke eines lila-farbenen Cubes bezogen, ohne Sonnenlicht und mit staendiger Air-Condition im Ruecken. Es ist also jeden Abend ein absurdes Gefuehl, wenn man vor die Tuer tritt, es noch gut 25 Grad sind und die Sonne gerade einen knallroten Sonnenuntergang fuer den beginnenden Indian Summer vorbereitet.

Facts:
Rauchen: seit 14 Tagen rauchfrei !!
Essen: gefuehlte 2 Kilo zugenommen
Job:1st mission accomplished, Kalender-Update
Entertainment:TV - 5 Werbepausen pro Stunde

Montag, September 18, 2006

Und tschüss...

Tja das war wohl mein letzter Tag in der SLUB in diesem Jahr und das letzte Mal zum Lernen: Morgen ist die letzte Abschlussprüfung. Zeit einmal DANKE SLUB zu sagen. Danke für eine disziplinierende Arbeitsumgebung, die ich in meiner ständig verwüsteten Wohnung nie hinbekommen hätte. Danke für W-Lan, nette Cafeteria-Damen und bizarre Modeerscheinungen (im Moment setzen sich gerade Sonnenbrillen und Kapuzenjacken durch). Ein dickes fettes Danke an alle Leute, die mir durch Mittagessen, Kaffeetrinken oder einen kurzen Plausch bei ner Kippe den nicht enden wollenden Tag verkürzten. Danke.

Dreiste Werbung (auf die ich natürlich reingefallen bin) I

Als ich heute zu meinem Auto kam, hatte ich einen kleinen blauen Notizzettel am Seitenspiegel hängen. Darauf stand:

„Bitte rufen Sie geschäftlich an!

Fa. Jährig-Straka

Tel: 0351....

Ihr Ansprechpartner: Herr Seifert

Kein Autoschaden.“

Hmm, dacht ich mir, was wird das wohl sein, und machte mir ein paar Sorgen. Haben diese tollen Autohändler, die mir ständig Kärtchen ans Fenster stecken jetzt ihre Strategie geändert. Aber erklären konnte ich es mir nicht. Also erst mal besagte Nummer gewählt, bei der sich der Anrufbeantworter der Familie Seifert meldete. Ich brav mein Sprüchlein aufgesagt und die Sache vergessen. Heute Abend dann ein Anruf in Abwesenheit. Ich rief zurück und die erste Frage der Dame war: Haben sie Interesse an einem Zweiteinkommen? Äähh, wie jetzt, worum geht’s? Naja ob ich mir als Handelsvertreterin nicht was dazuverdienen wollte. Hmm, nö eigentlich nicht. Gut danke für den Anruf. Aha... Interessante Werbestrategie. Was haben wir gelernt? Schickes Design ist von gestern, heute zählt ein unschuldiger Notizzettel der neugierig macht und so die persönliche Kontaktaufnahme provoziert. Könnt ja was passiert sein. Aber wie kommen die auf mich? Sieht mein Auto so schrottig aus, dass ich ein zweites Einkommen vertragen könnte? Oder werde ich beobachtet?

Samstag, September 16, 2006

Skurrile Wandbehänge II

Bei meiner kleinen Reise durch Deutschland ist mir ein weiterer Wandbehang aufgefallen, in jeder Damentoilette. Es scheint ein Monopol der Raststätten-Toiletten zu sein, dort Werbung für Kachelöfen zu machen. Kachelöfen! Wieso eigentlich? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Kachelöfen und Rasstätten, außer den phantasievollen Namen wie Mailand oder Stockholm? Wer entscheidet auf der Toilette, ob er sich einen solchen Ofen zulegt. Und gibt es nicht naheliegendere Werbung, wie etwa Lebensmittel, Getränke, Damen-Hygiene-Artikel, Radiosender, in der Nähe liegende Sehenswürdigkeiten oder zumindest das neuste Angebot aus der Rasstätte? Dieses Monopol ist erstaunlich, in einem Waschraum hab ich dann sogar die zugehörigen Faltblätter gefunden.... Marketingleute, Werbeplaner: was ist mit euch los, das ist doch die Gelegenheit. Wer wollte denn nicht immer schon eine interessante Lektüre aufm Klo haben!

Skurrile Wandbehänge I

Neulich, bei einem Familienbesuch, fand ich mich plötzlich auf dem Sofa meiner Übernachtungsgelegheit wieder und traute meinen Augen kaum. Das schlimme war gar nicht die geschmacklose Einrichtung (ich sage nur Delphin-Glastisch), sondern die schrägen Wandbehänge. Auf der einen Seite hing ein super-kitschiges riesiges Jesus-Bild, auf dem er ein Peace-Zeichen macht (und mindestens 1-2 Joints geraucht hat). Umrandet ist das ganze von einigen Heiligen- und Marienbildern. Zu optischen Fokussierung ist darum wieder eine rote Lichterkette angebracht. Diese dient auch zur Verbindung zu riesigen Lebkuchen-Herzen mit der Aufschrift „Nur mit dir“, „Ich will dich heiraten“. Das ganze ist ein Altar für die philippinische Freundin (ob das dem kulturellen Austausch dient, sei dahin gestellt, Liebe muss wohl blind machen...). Als ob das noch nicht reicht, sind auf der anderen Seite des Zimmers, wohl als männliches Kontrastprogramm Plakate, von „Eis-am-Stiel“ und dem „Schul-Mädchen-Report“ (natürlich oben ohne) angebracht. Naja, über Geschmack lässt sich streiten, aber das grenzt an vorsätzliche Körperverletzung.

Montag, August 07, 2006

Hoffnung Internet - Traummann online?

Ja, ich gebe es zu, ich bin so verzweifelt, dass ich sogar schon das Internet nutze um endlich mal den "Mann meiner Träume" zu treffen. Warum eigentlich nicht, ich bin doch "normal" warum sollten es die Männer dort nicht auch sein? Es haben alle das gleiche Ziel und was soll schon passieren, an Idioten kann man ohne Probleme auch offline geraten. Im Netz ist doch erst mal alles unverbindlich und ob ich mich mit nem Typen treffe ist mir selbst überlassen (was man in der freien Wildbahn nicht immer behaupten kann). Trotzdem steht Internet-Dating in der Wahrnehmung von gebildeten und anständigen Menschen (oder solchen, die sich dafür halten) auf einer Stufe mit Bild-Zeitungs-Lesen oder Porno-Gucken: Man macht es vielleicht, aber man würde es ums Verrecken nicht zugeben.

Auf die Idee gekommen bin ich, weil meine ehemalige Mitbewohnerin bei Parship arbeitet und darüber auch ihren damaligen Partner kennen gelernt hatte. Also, was sprach dagegen? Ich war neu in der Stadt, kannte niemanden und es schien zu funktionieren. Also alles gute Omen? Um es kurz zu machen: Nein!

Das Spektrum der Männer dort reicht von "Willst du Fi...?" bis "Ich wohn noch bei meiner Mama und das ist toll". Ältere Männer, denen offensichtlich jeder Sinn für "Selbstbewusstsein" und Ästhetik abgeht (oder die einfach keinen Spiegel besitzen), posieren in Badehosen. Dazu kommen die "Abenteuerer", die zwar eine Freundin haben, das auch zu geben, aber dem kleinen Fi... zwischendurch nicht abgeneigt sind. Selbst die Harmloseren entpuppen sich über kurz oder lang als nervtötend, weil sie nicht verstehen, dass man nicht jeden Tag endlose Mails über ihr langweiliges Leben beantwortet. Und dann findet man aus Versehen doch mal einen mit der der virtuelle Plausch ganz gut klappt, man versteht sich, und auch das Profil ist relativ aussagekräftig (glaubt man zumindest). Nach einer Weile netter, aber auf lange Sicht wenig zielführender Mails entscheidet man dann, sich doch mal zu treffen. Fataler Fehler: Ich habe mich selten so gelangweilt, selbst das zweite Glas Wein hat kaum eine betäubende Wirkung gezeigt, so dass nach gefühlten 12 Stunden nur die Flucht blieb.

Die Bild-Zeitungs- und Porno-Stufe war vielleicht doch nicht so abwegig: alles unbefriedigend. Fazit: keine Experimente, das Internet ist noch nicht reif für mich. Im Moment ist es Tummelplatz der schüchternen Langweiler und geilen alten (wie jungen) Säcke. Bleibt die Hoffnung auf das wahre Leben.

Donnerstag, Juli 27, 2006

Slubben, die Zweite

Fortsetzung folgt: Zu diesem Thema muss es ganz dringend noch einen Nachtrag geben, es passiert ja nicht alle Tage, dass sich Vorurteile so schnell bestätigen. Man könnte schon fast eine Typologie der SLUB-Besucher und ihrer Verhaltensmuster entwerfen. Versuchen wir den Anfang unserer soziologischen Studie mit zwei Exemplaren und schauen, was noch kommt.

Typ1: „Showlaufen“:
Dieser Typ ist vorwiegend unter den gestylten und geleckten Damen der Schöpfung zu finden, die sich zum „Meet-and-see“ in der SLUB treffen. In einer meiner Raucherpausen schnappte ich ein Gespräch auf, in dem sich ein Mädel über ihre Freundin aufregte. Sie würde wohl nur die kürzesten Röcke tragen und besonders gerne die Treppen hoch und runter steigen, damit auch alle (das meint wohl vor allem solche männlichen Geschlechts), die eigentlich bedeckten Körperteile erahnen können. Aus diesem „Humankapital“ schlägt sie dann jeden Nachmittag einen Kaffee von einem anderen Typen raus. Das ist wohl auch so eine Art „Lernen“ oder „Karriereplanung“, allerdings wohl eher für die Fähigkeit „Hochschlafen“.

Typ2: Die "Vorhut"
Dieser Typ in seiner Reinform ist nur äußerst selten zu beobachten, man muss sehr früh aufstehen, um ihn beobachten zu können. Mir ist es bisher auch nur gelungen, die Auswirkungen festzustellen. Ich war wirklich früh dran und schon 9.03 an meinem Lieblingsplatz, an den ich es seit Tagen nicht mehr geschafft hatte. Es hielten sich exakt drei Personen dort auf, trotzdem waren bereits alle (15!!) Tische besetzt. Eine Bekannte von mir hat geschafft, diesen Typ in Aktion zu beobachten. Er verteilt in einem Mordstempo einen ganzen Stapel Hefter auf einer langen Tischreihe. Sie schaffte es sogar, ihn auszustechen und sich durch schnelle Reaktion selbst einen zu erobern. Na, es hat auch ein Gutes: So kommt man auch in der heftigsten Lernzeit mit ein bisschen Glück noch zu „Urlaubsgefühlen“, auch wenn die sich nur im Frust über die lästigen „Handtuch-Besetzer“ äußern.

Fortsetzung...?

Samstag, Juli 22, 2006

Slubben

Nun, es ist endlich mal wieder Zeit, den Blog wiederzubeleben. Eigentlich müsste hier ja noch ein Kommentar zum tatsächlichen Wahlausgang und zur großen Koalition stehen, aber davon sind die Zeitungen gut genug gefüllt. Vielleicht später mal...

Was bietet sich besser für ein "Come-Back" an, als eine kleine Beschreibung meiner „Lieblingsbeschäftigung“, dem Slubben. Zur Erklärung für die Unwissenden: Die SLUB ist die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden. Das Verb ist in einer kleinen Gruppe regelmäßiger SLUB-Lerner entstanden, denn die Slub ist nicht nur ein Ort, sondern ein soziales Erlebnis, besonders unter verschärften Bedingungen der Prüfungszeit. Von einem Tag zum anderen wird die SLUB von einem „Ich-hol-mal-schnell-ein-Buch-Ort“, zur zweiten Heimat für gefühlte 2 Millionen Studenten. Damit ist die Kampfsaison in der SLUB eröffnet, der Kampf um Plätze, Schränke, Bücher, Computerarbeitsplätze. Zusätzlich im Sommersemester, der Kampf um einen „Fahrradparkplatz“. Ein normaler SLUB-Tag beginnt damit, um 8.45h in Panik zu geraten, weil ich zu Hause immer noch nicht in die Puschen gekommen bin. Also schnell aufs Radel und losgehetzt. An der SLUB mit hochroter Birne (die Bergstraße hat ihren Namen wohlverdient) einen Platz fürs Radel suchen (oder einfach fallen lassen, weil kein Ständer dran ist). Es ist 9.05 und ich frage mich: Wann waren alle diese Menschen hier, um 8, wie zum Sommerschlussverkauf? Es ist kein einziger Fahrradständer mehr frei, von den gut 1000 Schränken sind ¾ bereits belegt und einen Platz gibt’s nur noch an einem Mini-Tisch in der dunkelsten und kältesten Ecke der Zeitschriften-Aufstellung. Um halb 10 hat keiner eine Chance mehr und man schaut denjenigen, die verzweifelt nach einem Platz suchen mit einer Mischung aus Mitleid und Häme (na, wärste ma früher ausm Bett gekommen) nach.
Eine Horde von Naturwissenschaftlern, BWLern und Ingenieuren okkupiert in Form von lautstarken Lerngruppen die sonst so friedliche SLUB. Wo ansonsten bleiche Geisteswissenschaftler die fünfzigste Hausarbeit im Semester schreiben, diskutieren plötzlich unglaublich gut aussehende, gestylte Menschen über Formeln und die geeignete Freizeitbeschäftigung nach dem Slubben. Es macht nicht den Eindruck, dass sie angestrengt Lernen, es wirkt vielmehr wie Ausflug ins Museum, nur dass man dort leiser ist. Mittlerweile wurde sogar ein Hinweisschild mit Hintergrundbild von Caspar-Davids Kreidefelsen aufgestellt: „Ungestört sein.... auch in der SLUB“. Jaahaaa, das ist eine Bibliothek, kein Freizeitpark, denkt man sich und wünscht sich nach Rügen.

Sonntag, September 18, 2005

Das wars schon fast gewesen

Heute ist der Tag auf den wir alle hinarbeitet haben. Der Tag den wir seit Wochen herbeisehnen, der Tag der Entscheidung. Wir haben einen der längsten und intensivsten Wahlkämpfe geführt, so dass die Ermüdungserscheinungen schon in den letzten Tagen nicht mehr zu übersehen waren.
Heute ist noch ein letzter Großkampftag: Wir holen unsere Plakte der Zentralplaktierung rein, alle 600 Stück in 6-7 Stunden. Das heisst, es ist noch nicht mal Zeit ein Resumee über Wahlkampf in Unkenntnis des Ergebnis zu ziehen. Allerdings hab ich heute Nacht wohl ein solches "gefühltes" Ergebnis geträumt: Wir gewinnen die Wahl mit 38%. Wie kann man mit 38% gewinnen, fragte ich mich... Die Antwort: die CDU hat nur 30% bekommen. Tja, Träume sind Schäume, aber die 30% könnten zumindest für unseren Wahlkreis zutreffen. Heute Abend sind wir schlauer und dann hoffentlich ziemlich schnell betrunken, damit wir das ganze Koalitionsgeschwätz nicht mitbekommen!

Mittwoch, Juli 27, 2005

Worum gehts eigentlich, Teil 1

Es geht darum diesen Wahlkreis 19 "Hamburg-Mitte" zu gewinnen! Das ist die einfache Antwort, wie das geht, ist schwierigere. Jeder hat seine eigene Strategie, dieses Büro wohl eine aussergewöhnliche, aber offensichtlich erfolgreiche. Wir sind in den letzten Wochen bei election.de von "schlüpfer-rosa" auf sicheres SPD-rot gerutscht und damit einer der 14 sicheren SPD-Wahlkreise bundesweit.
Der Unterschied wird vor allem durch die Organisation in Friedenszeiten und im Wahlkampf deutlich:
Eigentlich wird das Büro von 12-15 Mitarbeitern, alle Studenten, Schüler oder gerade fertig gewordenen Absolventen geschmissen. Jeder hat eine Büroschicht, einmal die Woche, einen halben Tag. Dazu kommen diverse Praktikanten, die alle mehr oder minder gut bespaßt werden. Inhaltlich macht dieses Büro wenig Sinn, denn mit einem solchen Trupp ist konzentrierte und effektive Arbeit faktisch nicht möglich. Deshalb passiert diese Arbeit auch im Berliner Büro, mit einem unverschämt gutaussehenden und strebsamen Bürochef und einigen sehr gut eingearbeiteten Praktikanten. Der Sinn der Wahlkreisorganisation besteht aus zwei Zielen oder Prinzipien. Zum einen sind die jungen Leute hier im Wahlkreisbüro der direkte Kontakt in die Distrikte und deren Juso-Gruppen, mit der Infrastruktur des Büros werden Mehrheiten organisiert oder gekippt. Was, wie mir gesagt wurde, der einzige politische Inhalt der Realos ist: Mehrheiten hier, Mehrheiten dort. Dieses Büro, im Parteijagon der 3.Stock, ist der Kern der Hamburger Realos. Bei Licht betrachtet ist es nicht ganz abwegig, Mehrheiten sind notwenig, um Politik zu machen. Möglichkeiten nur zu diskutieren und am besten bis ins kleinste Details, um doch noch ein paar Diskrepanzen zu finden ist keine Politik sondern einfach nur albern. (Wie das konkret aussieht, wird im nächsten Artikel "Erfahrungen, die ich niemals machen wollte" beschrieben.) Das andere Ziel hat sich seit der Ankündigung von Neuwahlen bestens bewährt: Wahlkampf aus dem Stand. Innerhalb von einem Tag war die erste Wahlkampfsitzung inszeniert, in der ersten Wochen wurden 3 Wahlkampfauftakte zelebriert, nach vier Wochen sind 2000 Stellschilder im ganzen Kreis draussen, ein Junges Team von gut 80 Leuten ist organisiert und der ganze dritte Stock im Kurt-Schumacher-Haus, der SPD-Zentrale läuft auf Hochtouren. Im Büro der CDU-Gegnerin Blumenthal geht in dieser Zeit eine Praktikantin ans Telefon, weil die gute Dame erst mal drei Wochen Urlaub einlegt. Neben der Organisation ist die Startegie eigentlich ziemlich simpel: Johannes will jede Stimme links von der CDU, und zwar ausschließlich die Erststimme. Er ist nicht auf der Landesliste abgesichert, also entweder wählen ihn die Menschen in seinem Wahlkreis oder eben nicht. Ziel muss es dementsprechend sein, zunächst die Genossen zu mobilisieren und dann jeden einzelnen Bürger zu erreichen und zwar persönlich. Kleingärtner, Türken, Schwule und Lesben, Semnioren, Gewerkschaftler und Bundies: alles Zielgruppen, die bespaßt werden wollen, damit sie zumindest ihre Erststimme für Johannes hergeben. Dies passiert vor allem über Infostände, Morgenröten und Präsenz auf Stadtteil-Festen, aber auch über Nachbarschaftstreffen, Postwurfsendungen, Plakatierung und die Presse.

Wie fühlt sich Wahlkampf eigentlich an? - Vorwort....

Wahlkampf kommt von kämpfen, das ist relativ einleuchtend. Aber was steckt dahinter? Wie überall: Menschen. Politik wird immer von Menschen gemacht. Sie werden in den Medien erwähnt, hochgejubelt, niedergeschrieben, unnahbar gemacht, wichtig und unwichtig dargestellt. Aber sie bleiben meistens Menschen, sie haben ihre Stärken und Schwächen und wenn man sie genauer kennenlernt, sind sie wie du und ich. Praktisch meint dieses theoretische Gesülze über Menschen, dass überall nur mit Wasser gekocht wird. Es kommt nur darauf an, wie man das Wasser verkauft. Lange Rede kurzer Sinn, das Gefühl sagt mir, man (oder auch nur ich) hat schnell das Gefühl es wird große Politik gemacht, Politiker sind unnahbare Menschen und die sind uns irgendwie überlegen. Dieses Gefühl stimmt definitv nicht, wenn man hier in diesem Wahlkreis arbeitet. Das mag auch daran liegen, dass dieses Büro eine Ausnahme ist, aber in der Staatskanzlei Dresden habe ich das selbe Fazit gezogen.
Nun ist es an der Zeit, dieses Büro und den Wahlkampf mal vorzustellen, dies soll aber in einem gesonderten Artikel passieren, damit nicht alle (?) meine komischen unkokreten Überlegungen lesen müssen.

Donnerstag, Juli 21, 2005

Immer noch im Kuschu

Nun ist wieder ein Schritt gen Neuwahlen getan. Wie es sich für anständige SPD-Mitglieder gehört, haben wir uns (nachdem zwei von den momentan acht Praktikanten den Fernseher wieder zum Laufen gebracht haben) Köhlers Fernsehansprache angeschaut. Richtig stilvoll: Mit Wein aus Plastikbechern und kalter Pizza. Da soll noch mal einer über maßlose Politiker schimpfen. Eigentlich soll es jetzt noch aufn Kiez gehen, aber so richtig Lust hat nur noch S., immer in Party-Stimmung! Die Woche war hart, es geht langsam auf die heisse Phase zu, es sind noch zu viele Lücken im Terminkalender, die Distrikte wehren sich noch ein bissl, viele sind noch im Urlaub. Was auch verständlich ist, bei dem sehr besch... Wetter hier. An Plakatieren ist nicht mal zu denken, die Plakate rutschen einfach wieder runter bei dem Dauerregen. Eigentlich ein bisschen viele Hindernisse. Dafür sind neue Plakate da, die neuen Praktikanten scheinen alle ganz kompetent zu sein und wir müssen nicht wieder alles einsammeln, weil Köhler nein gesagt hat. Wollen wir nur hoffen, dass das BVerfG schnell entscheidet. Und vor allem FÜR Wahlen.

Noch ein paar Touri-Tipps für HH:
Auch wenn es alle machen, eine Barkassenfahrt/ Hafenrundfahrt lohnt sich echt. Wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher, aber der Hafen ist immer noch das Herz von Hamburg.
Der Michel: Von außen so unspektakulär, dass man sich fragt wieso er ein Wahrszeichen von HH geworden ist, von innen wirklich wunderschön. Eine sehr protestantische Kirche, die ihren Reichtum schon zeigt, aber nicht protzt.
Ansonsten Reeperbahn --> Kiez! :-))
So, jetzt werde ich mich weiter betrinken, denn zwei Sachen kann nicht vermeiden in Hamburg: Arm werden wie ne Kirchenmaus und Mitglied bei den anoymen Alkoholikern...

Montag, Juli 18, 2005

Auftakt über Auftakt

Nun hab ichs immerhin geschafft meinen letzten Artikel online zu stellen (Stress..., komische Computerprobleme..., Vergesslichkeit). Ist nicht mehr ganz so aktuell, aber dafür gibt’s nun die Fortsetzung.
Die Spargelfahrt war schon klasse, soviel Prominenz auf einmal sieht man nicht so oft. Und dann auch ein Foto mit fast jedem Kabinettsmitglied (nur Ullalla war nicht so beliebt). Einen kleinen Ausrutscher, im wahrsten Sinne des Wortes, gabs dann auch noch. Sonja hat einen ungewollten Kniefall (nasses Deck, Pomps mit Ledersohle) vor dem Kanzler hingelegt. Nach einigen kleinen Reden (Münte: „Es gibt zwei Sachen zu sagen: Die Welt dreht sich. Und die Seeheimer machen ihre Spargelfahrt.“), ein paar Bussis für die Spargelkönigin und gabs dann endlich was zu futtern. Neben ein bisschen Aushelfen haben wir uns gut getan am Wein, von dem es am nächsten Tag einen mächtigen Kater gab, am leckeren Spargel, der uns während oben genannter Fototermine einfach abgeräumt wurde, und fuhren geschätzte sieben Runden auf dem Wannsee. Anschließend wurde die Party in Johannes Wohnung fortgesetzt, die zwischenzeitlich eher einer Jugendherberge als einer angemessenen Abgeordnetenwohnung ähnelte. Etwa 15 Leute hatten es sich auf Luftmatratzen, Isomatten oder dem nackten Boden eingerichtet. Ich hatte (glücklicherweise) keinen Schlafsack, so dass ich einen der drei Plätze im einzigen Gästebett ergatterte. Nachdem wir mit der „Internationalen“ eingeschlafen sind, begann der Morgen mit einem lautstarken „Auferstanden aus Ruinen....“. Passte sehr gut zu unserer Verfassung....
Nach der Spargelfahrt begann dann langsam der Wahlkampf. Zunächst standen erst mal allerhand Parteiveranstaltungen an. Auf der Wahlkreiskonferenz wurde Johannes zum Direktkandidaten für den Wahlkreis 19, Hamburg-Mitte aufgestellt.
Es folgte der Landesparteitag und unser offizieller Wahlkampfauftakt.
Letzte Woche haben wir 500 Stellschilder im Kreis Mitte aufgestellt. Das heisst 500 Plakate einweichen, 500 Plakate kleben, 500 Stellschilder markieren und 500 Stellschilder strategisch günstig positionieren und über zwei Monate nun 600 Schilder pflegen. Und ist allein die Zentralplakatierung unseres Büros. Zusätzlich kommt noch die Plakatierung der Landesorganisation und der sieben Distrikte im Wahlkreis. Es sind also etwa 2000 Stellschilder draußen. Und das ist erst der Anfang.....

Mittwoch, Juni 29, 2005

Wie Arsch auf Eimer

Bananenrepublik! Saftladen!

Was für passende Namen und ich habe sie diesem Bloc in völliger Unkenntnis des heutigen Zustand der Republik gegeben.
Seit dem 22.Mai passt dieser Name, wie „Arsch auf Eimer“, wie ein Lehrer mal zu sagen pflegte.
Deutschland ist im Wahlkampf und ich mitten drin. Wer mir das vor vier Wochen gesagt hätte, den hätte ich ausgelacht und für verrückt erklärt.
Aber fangen wir von vorne an, ganz harmlos.
Anfang Mai habe ich begonnen im Rahmen meines Praktika-Urlaubsemesters in Hamburg für einen Abgeordneten zu arbeiten. Der Anfang gestaltete sich als etwas langweiliges, weil nicht viel zu tun, Büropraktikum. Hier mal was recherchieren, da mal was auswerten, mal Kaffeekochen und Kopieren. Fast schon wie ein Klischeepraktikum.
Und dann saß ich am 22. Mai vor dem Fernseher (meiner Mitbewohnerin, die so gut wie nie z Hause ist) und diskutierte am Telefon heftig mit meinem Vater, wie schwarz (-gelb) die Republik nun wird. Wir freuten uns über den Coup des Kanzlers und hatten gleichzeitig ähnliche Befürchtungen, die der Spiegel am nächsten Tag mit den Worten „Selbstmord aus der Angst vor dem Tod“ so viel schöner zusammenfasste. Welche Auswirkungen diese Entscheidung für mein eigenes Leben haben wird, konnte ich nicht mal erahnen. Zunächst ging es am Montagmorgen erst mal wieder ins Büro, mit bösen Vorahnungen über eine niedergedrückte und depressive Stimmung.
Nichts dergleichen: Johannes war nicht zu übertreffen an Optimismus und guter Laune. „Jetzt ist Wahlkampf“. Und damit das auch gleich die ganze Welt erfährt waren sofort zwei Kamerateams des öffentlich-rechtlichen Fernsehens im Büro und die Bürobesprechung wurde kurzerhand zur ersten Wahlkampfsitzung umfunktioniert. Als Trockenübung haben wir schon mal das Büro mit dem Konterfei unseres Chefs plakatiert.

Bis heute ist der Wahlkampf so richtig angelaufen, was man daran merkt, dass es schon 01.18h ist, weil ich eindeutig zu viel Kaffee getrunken habe. Und das will was heißen, bei einem durchschnittlichen Konsum von 4-6 Bechern pro Tag. Allerdings hat es auch unbestreitbare Vorteile, unter anderem den, dass ich endlich mal dazu komme, meinen Bloc richtig zu beginnen, bei diesem Namen!!
Nachteile hat es eindeutig, weil ich morgen früh nach Berlin zur Spargelfahrt der Seeheimer fahre, noch immer nicht weiß was ich anziehen soll und keine Lust habe, dem Kanzler mit fetten Augenringen zu begegnen. Ebenso wenig wie der anderen Hälfte des Kabinetts. Aber davon später mehr. Nun erst mal versuchsweise Gute Nacht.

Montag, April 04, 2005

Newcomer

So, damit bin ich nun auch unter die Blogger gegangen