Verkehr –insbesondere der öffentliche - in Großstädten ist entscheidend für die Mobilität der Bewohner und das Lebensgefühl, das gilt erst recht für die Megastädte Shanghai und Beijing. Daher sind die beiden Städte in China fleißig dabei, ihre U-Bahnen zu erneuern und auszubauen. Sie tun das mit unterschiedlichen Systemen und unterschiedlichen Geschwindigkeiten – Zeit für einen Vergleich.
Preise: In Beijing kostet jede Fahrt 2 Yuan (20 Cent), egal wohin und wie lange. In Shanghai wird der Preis nach Fahrlänge berechnet und liegt zwischen 3 bis 7 Yuan. Als Abrechnungssystem benutzen beide Städte Plastikkarten, die mit dem entsprechenden Wert zu erwerben oder aufladbar sind. Zeitkarten, wie Monats- oder Jahreskarten sind unbekannt.
Information: Informationen über die Strecken sind in unterschiedlicher Qualität zu haben. Shanghai ist recht übersichtlich, mit großen Karten zum gesamten Netz und zu der jeweiligen Linie auf dem Bahnsteig. In Beijing gibt es diese Karten auch. Nur leider führen sie in Irre, weil auf ihnen das geplante Netz in seiner vollen Schönheit abgebildet ist. Das hilft leider nicht weiter, wenn man wissen will, ob man dort hinkommt oder nicht. Nur auf den Ticketautomaten außerhalb des U-Bahn Steiges sind die aktuell befahrenen Linien genau angezeigt. Leider sind die Durchsagen in den überfüllten alten Linien kaum zu hören. Und auch die Beschilderung zu den Ausgängen ist eher irreführend als hilfreich.
Ausbau: Hier hat Shanghai eindeutig die Nase vorn. Hier sind in den letzten Jahren und Monaten viele Linien neu eröffnet worden. Zu den bestehenden Linien 1,2,3 kamen 4, 6, 8 und 9 hinzu, an Verlängerungen wird noch gebastelt. In Beijing bestehen 1 und 2, Linie 5 ist wohl gerade neu eröffnet, wie auch die 12. Dann ist die 10 im Bau, da stehen auch schon viele Zugänge. Und es gibt noch Linie 8. (Wer ein System oder eine Logik hinter den Nummern entdeckt, bitte Bescheid sagen)
Modernität: Grundsätzlich wirken die Shanghaischen U-Bahn Tunnel moderner, mit mehr Rolltreppen und mehr digitalen Infosystemen. Allerdings machen sie in Beijing direkt im U-Bahn Tunnel so eine Art projizierte digitale Wand-Werbung, die zwar eher zu Augenschmerzen als zu einer Werbewirkung führt, aber wohl Ausdruck der immer stärker kommerzialisierten Gesellschaft ist.
Einen Pluspunkt erreicht Beijing durch entspanntere Passagiere, die nicht so heftig drängeln und boxen wie ihre Genossen aus Shanghai. Eng ist es aber immer noch.
Mittwoch, Juli 16, 2008
Mittwoch, Juli 09, 2008
Weit im Westen
Ich habe eine neue Lieblings-Serie entdeckt. The West Wing. Das ist die Serie über das Weiße Haus, die in Deutschland als Das Kanzleramt so kläglich, aber verdient scheiterte.
Das amerikanische Original ist witzig. Selbstironisch. Anspruchsvoll. Politisch inkorrekt und total unrealistisch. Der Präsident raucht. Es gibt Dialoge dieser Art: „Haben wir Texas mit diesem Witz verloren?“ –„Nein, Mr President, Texas haben wir verloren als Sie Latein lernten.“ Der Präsident hat einen Nobelpreis. Und Multiple Sklerose.
Das amerikanische Original ist witzig. Selbstironisch. Anspruchsvoll. Politisch inkorrekt und total unrealistisch. Der Präsident raucht. Es gibt Dialoge dieser Art: „Haben wir Texas mit diesem Witz verloren?“ –„Nein, Mr President, Texas haben wir verloren als Sie Latein lernten.“ Der Präsident hat einen Nobelpreis. Und Multiple Sklerose.
Freitag, Juli 04, 2008
Das Badezimmer ist die Vorhölle
Bei 35 Grad und mehr laufen überall die Klimaanlagen. Nur nicht im Badezimmer. Hier vermischen sich entweichende Kaltluft und eindringende Heißluft, und erinnern daran, wie es draußen sein muss: Die Hölle.
Dienstag, Juni 24, 2008
Der Tag der vielen Fortbewegungsmittel
In Shenzhen zu schlafen und sich Hongkong anzuschauen stellt einige Anforderung an das logistische Talent. Folgende Aufgabe war zu meistern: Ausgangpunkt ist Shekou, eine kleine Halbinsel von Shenzhen. Ziel ist, einen Termin um 15 Uhr in Hongkong wahrnehmen und um 19.40 muss der Flieger in Shenzhen Airport erreicht werden. Los geht es mit der FÄHRE von Shekou nach Hongkong Central. Von da aus mitd er U-BAHN/MTR zur Kowloon Station, weil von dort der BUS zum Shenzhen Airport gehen soll. Damit mir nicht dasselbe wie in Macau passiert (da war die letzte FÄHRE ausverkauft – Gott sei Dank hab ich einen einigermaßen verzweifelten Blick drauf), wollte ich sicherstellen, dass der BUS dort fährt und mir schon mal ein Ticket kaufen. Dann noch mal mit der MTR zurück, den Termin wahrnehmen, ein TAXI zur BUS-Station. Mit dem BUS zur Grenze. Zu FUSS über die Grenze. Weiter mit dem BUS zum Flughafen. Nach einer guten Stunde Verspätung mit dem FLUGZEUG nach Shanghai (Gewitter von oben ist schon ziemlich cool). Mit dem TAXI nach Hause. Zu FUSS die 82 Stufen zu meinem Apartment.
Freitag, Juni 20, 2008
Stupid Lao Wai (dummer Ausländer)
Vor etwa sieben Stunden war ich der Überzeugung, dieser Tag könnte ein aussichtsreicher Kandidat auf den neuen „schlimmsten Tag in meinem Leben“ werden. Ist es dann doch nicht geworden, aber ein paar „schlimmste Stunden“ waren schon dabei. Von vorne. Ich muss ausreisen um mein Visum zu erneuern. Damit das günstiger ist, fliege ich nach Shenzhen und fahre dann über die Grenze nach Hongkong. Damit es die Firma bezahlt, sollte ich es mit einem Termin verbinden. Daher musste ich meine bereits anvisierten Flüge neu timen. Freitag um 8 rausfliegen, damit ich um 14 Uhr in Hongkong sein kann. Also stehe ich heute morgen um kurz vor fünf auf, habe auf das Spiel verzichtet, weil 5 Stunden Schlaf doch mehr als 3 sind. Auf zur U-Bahn, die direkt bis zum Maglev fährt. Müsste alles in einer Stunde hinhauen. Aber da hakt’s schon: Die U-Bahn fährt noch nicht. Zumindest nicht die Richtung, die ich will. Nach gut sieben Minuten warten muss es dann doch das Taxi sein. Mit Zeichen gebe ich dem Taxifahrer zu verstehen wo ich hin will. Und wir kommen gut durch, ich entspanne und trockne, denn draußen sind gut 25 Grad und eklig feucht, morgens um 6 wohlgemerkt. In Pudong am Flughafen verlieren wir ein bisschen Zeit, weil wir uns nicht verständigen können zu welchem Terminal ich muss. Aber der Taxifahrer fragt. Alles geklappt, ich bin da. Stehe am Eincheckschalter: „Der Flug geht von Hongqiao“. Mir ruscht das Herz in die Hose. Hongqiao ist der westlich gelegene Flughafen in Shanghai. Bei meiner Umbucherei hab ich übersehen, dass ich den Flughafen gewechselt habe. Ich bin am falschen Flughafen. Ich werde den Flieger nicht kriegen. Ich werde den Termin verpassen. Mein Chef wird sich monatelang über mich lustig machen. Ich hasse Shanghai. Ich bin so dummmmmmm. Stupid Lao Wei.
Dann wurde es kurz noch schlimmer als ich mit dem Shuttlebus nach Hongqiao fuhr, inklusive chinesischem Gedudel in der Endlosschleife, einer sehr vollen Blase, schlechten Straßen und morgendlichem Berufsverkehr mit entsprechendem Stau.
Und dann wurde es besser. Das Umbuchen war in weniger als zehn Minuten erledigt, und sicherlich einfacher und billiger als einen Zug mit Zugbindung bei der deutschen Bahn zu ändern.
Dann habe ich entdeckt, dass es bei McDonalds Pancakes gibt und der Kaffee wirklich gut ist. Und die schweißtreibenden fünf Meter, die ich zwischen Flughafengebäude und McDonalds zurückgelegt habe, überzeugten mich, dass noch drei Stunden warten in klimatisierten Räumen nicht die schlechteste aller Möglichkeiten ist.
In Shenzhen scheint die Sonne. Das hatten wir in Shanghai seit Wochen nicht. Hier gibt es Hügel und sie sind grün. Es ist ruhiger. Es gibt Palmen. Es fühlt sich nach Urlaub an.
Dann wurde es kurz noch schlimmer als ich mit dem Shuttlebus nach Hongqiao fuhr, inklusive chinesischem Gedudel in der Endlosschleife, einer sehr vollen Blase, schlechten Straßen und morgendlichem Berufsverkehr mit entsprechendem Stau.
Und dann wurde es besser. Das Umbuchen war in weniger als zehn Minuten erledigt, und sicherlich einfacher und billiger als einen Zug mit Zugbindung bei der deutschen Bahn zu ändern.
Dann habe ich entdeckt, dass es bei McDonalds Pancakes gibt und der Kaffee wirklich gut ist. Und die schweißtreibenden fünf Meter, die ich zwischen Flughafengebäude und McDonalds zurückgelegt habe, überzeugten mich, dass noch drei Stunden warten in klimatisierten Räumen nicht die schlechteste aller Möglichkeiten ist. In Shenzhen scheint die Sonne. Das hatten wir in Shanghai seit Wochen nicht. Hier gibt es Hügel und sie sind grün. Es ist ruhiger. Es gibt Palmen. Es fühlt sich nach Urlaub an.
Freitag, Juni 06, 2008
Chinesisches Frühstück
Entgegen der landläufigen Meinung (zumindest nach meinem Eindruck) frühstückt der Chinese keinen Reis. Es gibt eine vielfältige Auswahl an Gerichten, die zu dieser Tageszeit und nur zu dieser Tagestzeit angeboten werden. Meist werden Sie im Gehen verzehrt, daher sind sie praktischerweise in kleine Plastiktütchen verpackt.
Das sind Baozi, wohl am bekanntesten hier. Sie sind gefüllt, meist mit Hackfleisch. Der Teig darum kommt böhmischen Knödeln sehr nahe.
Jiaozi - ebenfalls gefüllte Teigtaschen, aber eher aus nudelartigem Teig. Die Füllungen variieren mehr, sehr lecker ist Spinat. Sie werden gekocht oder gebraten.
Frittierte Teilchen oder so was. Hatte ich süß erwartet, sind aber herb und sehr fettig.
Fladenbrot - wird nach Gewicht verkauft, und gibt es mit und ohne Schnittlauch. Auch sehr fettig. Außerdem gibt es noch Getränke, weiß meistens. Könnte Milchtee sein, ein Pulver, das man zu einer schleimartigen Konsitenz anrührt und dann sehr süß schmeckt.
Brotartige, frittierte Stangen - fettig!!! Aber lecker.
Hier wird so eine Art Pfannkuchen oder Crepe gebacken, oft werden sie mit dunklen Soßen oder eben Ei bestrichen.
Joghurt und Milch gibt es auch zu kaufen.
Das sind Baozi, wohl am bekanntesten hier. Sie sind gefüllt, meist mit Hackfleisch. Der Teig darum kommt böhmischen Knödeln sehr nahe.
Jiaozi - ebenfalls gefüllte Teigtaschen, aber eher aus nudelartigem Teig. Die Füllungen variieren mehr, sehr lecker ist Spinat. Sie werden gekocht oder gebraten.
Frittierte Teilchen oder so was. Hatte ich süß erwartet, sind aber herb und sehr fettig.
Fladenbrot - wird nach Gewicht verkauft, und gibt es mit und ohne Schnittlauch. Auch sehr fettig. Außerdem gibt es noch Getränke, weiß meistens. Könnte Milchtee sein, ein Pulver, das man zu einer schleimartigen Konsitenz anrührt und dann sehr süß schmeckt.
Brotartige, frittierte Stangen - fettig!!! Aber lecker.
Hier wird so eine Art Pfannkuchen oder Crepe gebacken, oft werden sie mit dunklen Soßen oder eben Ei bestrichen.
Joghurt und Milch gibt es auch zu kaufen.
Ein Hoch auf billige Taxis
Billige Taxis sind toll. Vor allem, wenn man die Amibition hat, vom Bund nach Hause zu laufen. Und dann um eine interessante Ecke abbiegt und als man wieder weiss, wo man ist, auch weiss, wie lange man noch nach Hause braucht. Und sich dann in ein Taxi setzt. Für 14 Yuan. Und sich vor die Tür fahren lässt. Was für ein Luxus.
PS: Test test...1...2...3 (Ich bin wohl nicht mehr geblockt hier... )
PS: Test test...1...2...3 (Ich bin wohl nicht mehr geblockt hier... )
Montag, Mai 19, 2008
ShangEyes IV
Rechnungen muss man bezahlen, auch wenn sie auf Chinesisch sind und man keinen blassen Schimmer hat, wofür eigentlich. Wenn man das nicht tut, klingelt es eines Abends und ein glatzköpfiger Chinese behauptet, er bekäme auf der Stelle 1000 Yuan (100 Euro) von mir. Und er kommt jeden Abend wieder. Und lacht sich einen Ast, wenn man ihn mit großen Augen und einem "ting bu dong“ (ich verstehe nicht) anschaut.
Um den Opfern des Erdbebens zu gedenken gibt es ab heute an drei Tagen drei Gedenkminuten. Schweigeminuten würde man wohl in Deutschland sagen. Aber das trifft es hier nicht annähernd. Damit auch keiner das Gedenken vergisst, ertönt um Punkt 14.28 Uhr eine ohrenbetäubende Sirene über der ganzen Stadt. Und die Chinesen in unserem Büro stehen auf der Terrasse und gedenken.
Seit Sonntag komme ich, dank meiner neuen Mitbewohnerin, in den Genuss einer weiteren chinesischen Annehmlichkeit: billigen Service-Kräften - also einer Putzfrau. Die "Ai", wie sie ihr genannt wird, kommt einmal die Woche und wischt nach chinesischer Art, einfach mal drüber. Und kostet 20 Yuan (2 Euro) die Stunde und ist damit verhältnismäßig teuer.
Um den Opfern des Erdbebens zu gedenken gibt es ab heute an drei Tagen drei Gedenkminuten. Schweigeminuten würde man wohl in Deutschland sagen. Aber das trifft es hier nicht annähernd. Damit auch keiner das Gedenken vergisst, ertönt um Punkt 14.28 Uhr eine ohrenbetäubende Sirene über der ganzen Stadt. Und die Chinesen in unserem Büro stehen auf der Terrasse und gedenken.
Seit Sonntag komme ich, dank meiner neuen Mitbewohnerin, in den Genuss einer weiteren chinesischen Annehmlichkeit: billigen Service-Kräften - also einer Putzfrau. Die "Ai", wie sie ihr genannt wird, kommt einmal die Woche und wischt nach chinesischer Art, einfach mal drüber. Und kostet 20 Yuan (2 Euro) die Stunde und ist damit verhältnismäßig teuer.
Donnerstag, Mai 15, 2008
ShangEyes III
Der natürliche Feind jeder Chinesin die Sonne. Das Schönheitsideal ist Blässe und es wird alles Erdenkliche getan, um diese zu erhalten oder erst herzustellen. Mit Sonnenschirmchen, sobald sich auch nur ein Sonnenstrahl durch den smogig-dunstigen Himmel dringt, mit Sunblockern und Bleichcremes. Daher ist eine der ersten Sachen, von denen mir abgeraten wurde: chinesische Cremes und Make-up kaufen.
In Sachen westlicher Musik sind die Chinesen schon erstaunlich schmerzbefreit. Last Christmas im April im Radio scheint da noch das kleinere Übel zu sein. In Suzhou fahren die Touristenshuttels auf der Fußgängerzone den ganzen Tag mit Jingle-Bells auf und ab. Und die Müllabfuhr hat Happy Birthday als Erkennungsmelodie.
Wenn man hier Männer mit sehr ausgefallenen, meist riesigen Handtaschen rumlaufen sieht, ist das nicht etwa Ausdruck eines besonders metrosexuellen Charakters dieser Stadt. Im Gegenteil, in einem etwas merkwürdigen Verständnis von Zuvorkommenheit ist es gentlemen-like, den Damen ihre ach so schweren und sperrigen Taschen zu tragen.
Haustüren scheinen nicht Teil der Häuser, sondern Teil der individuellen Einrichtung der Wohnungen zu sein. Jede Wohnung hat eine individuelle Tür, mit eigenen Schlössern und Guckvorrichtungen, je nach Sicherheitsbedürfnis.
In Sachen westlicher Musik sind die Chinesen schon erstaunlich schmerzbefreit. Last Christmas im April im Radio scheint da noch das kleinere Übel zu sein. In Suzhou fahren die Touristenshuttels auf der Fußgängerzone den ganzen Tag mit Jingle-Bells auf und ab. Und die Müllabfuhr hat Happy Birthday als Erkennungsmelodie.
Wenn man hier Männer mit sehr ausgefallenen, meist riesigen Handtaschen rumlaufen sieht, ist das nicht etwa Ausdruck eines besonders metrosexuellen Charakters dieser Stadt. Im Gegenteil, in einem etwas merkwürdigen Verständnis von Zuvorkommenheit ist es gentlemen-like, den Damen ihre ach so schweren und sperrigen Taschen zu tragen.
Haustüren scheinen nicht Teil der Häuser, sondern Teil der individuellen Einrichtung der Wohnungen zu sein. Jede Wohnung hat eine individuelle Tür, mit eigenen Schlössern und Guckvorrichtungen, je nach Sicherheitsbedürfnis.
Donnerstag, Mai 08, 2008
test
Nachtrag 15.Mai: Auch wenn dieser Blog zur Zeit in China gebloggt (ein paar Worte des letzten Eintrags waren wohl Stichworte) ist, kann ich immer noch posten. Also test bestanden. Und es geht auch weiter hier.
Chinesisch-deutsche Folter
Wenn ich noch ein verballhorntes "Für Elise" oder eine quietschig-digitale Version der "Kleinen Nachtmusik" in einer Warteschleife hören muss, geh ich sterben.
Samstag, Mai 03, 2008
Geblockte Blogs
Generell bewegen wir Westler uns in China relativ frei und unbeobachtet. Glauben wir zumindest.
Vor allem im Internet merkt man schnell, dass da was nicht stimmt. Zum Beispiel wenn die internetbasierte Datenbank, mit der wir arbeiten plötzlich so langsam ist, dass wir einen ganzen Nachmittag nicht richtig darauf zugreifen können. Um Punkt fünf Uhr klappt es wieder, da geht der Geheimdienst dann wohl in den Feierabend.
Manchmal werden deutsche Online-Medien nicht oder nur unvollständig geladen, Bilder überhaupt eher selten. Mittlerweile ist die Wikipedia zwar zugänglich, aber manchmal ist der Artikel über die Volksrepublik gerade nicht verfügbar. Bei meinem Feed-Reader und meinem eigenen Blog habe ich mich immer gewundert, dass das so problemlos geht. Bis es mir letzte Woche wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Es funktionierte überhaupt nicht alles. Plötzlich hatte ich über 80 ungelesene Feeds, wovon eben einige Blogs die Feeds der letzten drei oder vier Wochen enthielten. Die waren offensichtlich geblockt worden hier, weil sie das Wort Ty-Bett enthielten. Zwar war ich bei einigen verblüfft, dass sie so lange nichts gepostet haben, hatte aber nicht weiter darüber nachgedacht.
Jetzt versuche ich noch herauszufinden, ob die Wächter in unserem Compound vielleicht so was wie Stasi-Mitarbeiter sind.
Vor allem im Internet merkt man schnell, dass da was nicht stimmt. Zum Beispiel wenn die internetbasierte Datenbank, mit der wir arbeiten plötzlich so langsam ist, dass wir einen ganzen Nachmittag nicht richtig darauf zugreifen können. Um Punkt fünf Uhr klappt es wieder, da geht der Geheimdienst dann wohl in den Feierabend.

Manchmal werden deutsche Online-Medien nicht oder nur unvollständig geladen, Bilder überhaupt eher selten. Mittlerweile ist die Wikipedia zwar zugänglich, aber manchmal ist der Artikel über die Volksrepublik gerade nicht verfügbar. Bei meinem Feed-Reader und meinem eigenen Blog habe ich mich immer gewundert, dass das so problemlos geht. Bis es mir letzte Woche wie Schuppen von den Augen gefallen ist: Es funktionierte überhaupt nicht alles. Plötzlich hatte ich über 80 ungelesene Feeds, wovon eben einige Blogs die Feeds der letzten drei oder vier Wochen enthielten. Die waren offensichtlich geblockt worden hier, weil sie das Wort Ty-Bett enthielten. Zwar war ich bei einigen verblüfft, dass sie so lange nichts gepostet haben, hatte aber nicht weiter darüber nachgedacht.
Jetzt versuche ich noch herauszufinden, ob die Wächter in unserem Compound vielleicht so was wie Stasi-Mitarbeiter sind.
Freitag, Mai 02, 2008
Chinesische Freizeitzeitbeschäftigung
Schönes Wetter, Tag der Arbeit. Also die Gelegenheit in Parks rumzuhängen und Chinesen bei ihren vielfältigen Freizeitbeschäftigungen zu beobachten.
Singen im Jin'an Park
Laufenlernen
Schlafen auf der Straße
Paddeln auf dem Teich im Fuxing Park
Sich im Tai Chi (oder sowas) üben im Blumenbeet vom Fuxing Park
In riesigen Gummiteilen übers Wasser rollen
Singen im Jin'an Park
Laufenlernen
Schlafen auf der Straße
Paddeln auf dem Teich im Fuxing Park
Sich im Tai Chi (oder sowas) üben im Blumenbeet vom Fuxing Park
In riesigen Gummiteilen übers Wasser rollen
Sonntag, April 27, 2008
Sonntagmorgen, 10 Uhr...
... ich stehe senkrecht im Bett, ein gigantischer Krach hat mich geweckt. Ein Erschießungskommando? Neeeein. Feuerwerk am helllichten Tage? Neeein, so verrückt sind selbst die Chinesen nicht, aber es kommt dem ganz nahe. Beim Blick aus dem Fenster sehe ich zunächst eine riesige weiße Limousine vor unserem Haus stehen. Ein Stück daneben werden auf gut zwei Quadratmetern Chinaböller abgebrannt.
Um 10 Uhr. Und dann steigt das Hochzeitspaar aus der Limmo.
Um 10 Uhr. Und dann steigt das Hochzeitspaar aus der Limmo.
Samstag, April 26, 2008
Chinesische Streichelheiten
Massagen in China sind unglaublich billig. Alle schwärmen. Aber es gibt auch die Warnungen vor Läden mit „Happy End“. Also will der richtige Laden gut gewählt sein, um Erfahrungen wie letzten Freitag zu vermeiden. Gestern wurden wir dann von einer Bekannten mitgenommen. Der Laden liegt in einer ganz netten Ecke Shanghais in der Huaihai Lu, einer weiteren Einkaufsstraße in Shanghai. Wir wurden mit Tee begrüßt und durften eine Massage auswählen: Die japanische ist die, die wir am ehesten unter einer entspannenden Massage verstehen, bei chinesischen wird man so richtig durchgewalkt, so dass man am Ende froh sein kann, keine blaue Flecken zu haben. Außerdem gibt es noch Öl- und Fußmassagen. Wir entschieden uns mehrheitlich für die Japanische, aber eine traute sich und wählte die Chinesische. Dann wurden wir in die Räume geführt, alles abgedunkelt, es roch nach Räucherstäbchen und leise Musik spielte. Auf der Liege lag eine Art Pyjama bereit, den man sich anzieht. Man legt sich zunächst auf den Bauch. Die Massage beginnt mit starkem Druck auf die Wirbelsäule, bei dem ich froh war, dass das letzte Essen zwei Stunden zurück lag. Es knackte ordentlich. Dann massierte die Dame punktuell schmerzhafte Stellen. Meine eigenen Schmerzen ließen nur wenig Spielraum für Überlegungen, wie es der Kandidatin mit der chinesischen Massage wohl ergeht. Die Knet- und Walkgeräusche von der Nebenliege waren eher besorgniserregend. Wirklich entspannend war die Kopfmassage und die Zeit verging viel zu schnell. Am Ende zog man sich um, bekam noch einen Tee und bezahlte 100 Kuai = 10 Euro für eine Stunde. Das war definitiv das bessere Freitagabenderlebnis.
Dienstag, April 22, 2008
Bierchen in netter Gesellschaft
Neulich Freitag Abend. Lust auf ein Bierchen ohne großen Aufwand. Also sind wir nichts ahnend in die Kneipe, die zum Wohnblock meiner Kollegin gehört. Es war sehr früh und der Laden noch leer. Wir wurden dennoch fröhlich begrüßt und bestellten ein Bier an der Theke. Dann widmeten wir uns in aller Ruhe dem Feierabendbier und dem ausgiebigen Rückblick auf die Woche. Die Kneipe machte einen netten Eindruck, dunkle Wandvertäfelung, ein Billard-Tisch, nur das Insyc-Poster störte die gemütliche Atmosphäre, die uns ein bisschen nach Europa zurückversetzte. Nach einer Weile vertieften Gesprächs stellten wir fest, dass es ein bisschen voller geworden war. Zwei Mädchen spielten Billard und ein drittes saß an der Theke und beschäftigte sich demonstrativ gelangweilt mich sich selbst. Machte Fotos von sich, ihren Händen und schürzte die Lippen. Und während wir dies so diskutierten, setzten sich weitere Mädchen dazu und wir bemerkten zum ersten Mal, dass sie gar nicht von vorne hinein kamen. Aus dem Augenwinkel konnte man beobachten, wie sie sich schick nacheinander im Bad anhübschten. Und so langsam dämmerte uns, dass wir wohl in einem Bordell gelandet waren, naiv wie wir waren. Auch wenn die Mädchen für westliche Verhältniss sehr adrett und nur wenig übertrieben herausgeputzt waren. In dem Moment ging dann auch die Vordertür auf und der erste Trupp Geschäftsleute lief ein. So schnell konnten wir gar nicht austrinken und zahlen, wie es uns plötzlich aus dem Laden zog. Beim abschließenden Blick auf die zuvor unbeachtete Leuchtschrift „hot lips“ konnten wir uns über das Ausmaß unserer Arglosigkeit nur noch Schütteln vor Lachen.
Donnerstag, April 17, 2008
ShangEyes II
Die ersten Tage bin ich abends im Dunklen durch den Hausflur gegangen, da kein Lichtschalter zu entdecken war, und offensichtlich auch kein Bewegungsmelder. Ich fragte, und bekam zur Antwort: Krach. Das Licht geht an, wenn man laut ist. Also, Krachmelder.
Das chinesische Äquivalent zur Storch-Geschichte, um Kindern zu erklären, wo sie eigentlich herkommen ohne sie ernsthaft aufklären zu wollen, ist hier die I-picked-you-up-in-trash-Geschichte. Da mag ich den Storch irgendwie lieber.
Spülen führt zu Größenwahn. Endlich bin ich mal nicht mehr überall die Kleinste und muss mich sogar beim Spülen runterbeugen.
Nachtrag zum Rotzen: Auch wenn es wirklich eklig ist, diese zwei Begegnungen dürfen hier nicht fehlen. Neulich in der U-Bahn neben mir, ein sichtlich ärmer gekleideter Mann zieht lautstark einen hoch. Und bevor ich es fassen kann, rotzt er auf den Boden neben mir und verreibt das ganze auch noch genüsslich mit seinem Schuh. Und ich musste da durch. Brrrr.
Dann, ein paar Tage später, im Supermarkt an der Kasse, genau das gleiche Geräusch. Und dachte nur, was macht die jetzt damit. Und die Antwort kam auch sogleich: Sie rotzte in eine Einkaufstüte hinein.
Das chinesische Äquivalent zur Storch-Geschichte, um Kindern zu erklären, wo sie eigentlich herkommen ohne sie ernsthaft aufklären zu wollen, ist hier die I-picked-you-up-in-trash-Geschichte. Da mag ich den Storch irgendwie lieber.
Spülen führt zu Größenwahn. Endlich bin ich mal nicht mehr überall die Kleinste und muss mich sogar beim Spülen runterbeugen.
Nachtrag zum Rotzen: Auch wenn es wirklich eklig ist, diese zwei Begegnungen dürfen hier nicht fehlen. Neulich in der U-Bahn neben mir, ein sichtlich ärmer gekleideter Mann zieht lautstark einen hoch. Und bevor ich es fassen kann, rotzt er auf den Boden neben mir und verreibt das ganze auch noch genüsslich mit seinem Schuh. Und ich musste da durch. Brrrr.
Dann, ein paar Tage später, im Supermarkt an der Kasse, genau das gleiche Geräusch. Und dachte nur, was macht die jetzt damit. Und die Antwort kam auch sogleich: Sie rotzte in eine Einkaufstüte hinein.
Mittwoch, April 16, 2008
BILD in China
In der heutigen Shanghai Daily wird die Berichterstattung der deutschen BILD-Zeitung als Beweis dafür genommen, dass es mit der Objektivität der westlichen Presse nicht weit her ist. Unterfüttert mit weiteren Beispielen, bei denen es vor allem um falsch oder irreführend illustrierte Berichte über das Geschehen in Tibet ging, ist demnach eine Verschwörung gegen China im Gange. Die Medien seien keine Watchdogs mehr, sondern „an attack dog for the politicans“. (Nachtrag 17.04.: zum Artikel)
Ein Grund mehr, die BILD zu verurteilen, wenn sie dazu führt, als Generalisierung westlicher Medien wahrgenommen zu werden, und damit Futter für chinesische Propaganda-Maschinerie liefert. Was der chinesische Kommentator allerdings wohlweislich übersieht, ist die zivilgesellschaftliche und auch berufsständische Selbstkontrolle solcher Medien. Und das es eben andere Medien geben darf, die diese falsche, nachlässige oder effektheischende Berichterstattung richtig stellen.
Ein Grund mehr, die BILD zu verurteilen, wenn sie dazu führt, als Generalisierung westlicher Medien wahrgenommen zu werden, und damit Futter für chinesische Propaganda-Maschinerie liefert. Was der chinesische Kommentator allerdings wohlweislich übersieht, ist die zivilgesellschaftliche und auch berufsständische Selbstkontrolle solcher Medien. Und das es eben andere Medien geben darf, die diese falsche, nachlässige oder effektheischende Berichterstattung richtig stellen.
Samstag, April 12, 2008
Clash of Cultures
Ich hatte schon darüber gelesen, wie in China westliches Essen adaptiert wird. Es muss in etwa so westlich sein, wie wir den „Chinesen um die Ecke“ für wirklich chinesisch halten. So hatte ich jetzt einen Mittag, als es mal wieder nicht genießbaren Fisch in der „Kantine“ bei uns gab, Mittagessen im „UBC-Cafe“. Spaghetti mit Chicken Curry. Ich dachte irgendwie Nudeln mit Hähnchenfleisch und einer indischen oder thai-scharfen Soße. Spaghetti waren es. Das Chicken kam in Form von klein gehackten Hühnerbeinen, also mit Knochen. Und die Soße war unbeschreiblich. Unbeschreiblich eklig, zwar Curry-gelb, aber von einer sehr schleimigen Konsistenz. Und nicht nur die Adaption von westlichem Essen ist gewöhnungsbedürftig, auch bei Musik führt es zu leicht absurden Situationen. Zum Beispiel, dass man Mitte April in einem Taxi sitzt und „Last Christmas“ im Radio läuft. Ganz ironiefrei.
Dienstag, April 08, 2008
Mein chinesischer Name
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